Idee

Geschichten, die fehlen - das Projekt

Mit dem Projekt „Geschichten, die fehlen“ geht das Stadtmuseum Halle inklusive Wege. Wie können Menschen mit Beeinträchtigungen über barrierefreie Zugänge hinaus Eingang ins Museum finden? Wie werden sie im Museum sichtbar? Es entstand die Idee, Menschen mit Beeinträchtigungen mit eigenen Beiträgen das Museum mitgestalten zu lassen. Zwischen April und August 2019 hatte das Stadtmuseum Halle zu Stammtischen und Sprechstunden eingeladen, an denen eigene Objekte vorgestellt wurden. Vom 29.11.2019 bis 10.05.2020 gibt es dazu eine Ausstellung. 

Fehlende Geschichten sammeln

In der Ausstellung sind Dinge und Geschichten zu sehen, die zwischen April und August 2019 von Menschen mit Beeinträchtigungen ins Museum gebracht wurden. Mit dem Film wurde die Idee erklärt und zum Mitmachen aufgerufen.

Geschichten, die fehlen

Über das Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen in Halle

Ob tastbare Orientierungspläne, taktile Leitlinien, Objekte zum Anfassen – seit Jahren erweitert  das Stadtmuseum Halle die barrierearmen Zugänge zu seinen Ausstellungen. Unterfahrbare Vitrinen und die geräumige Anordnung erleichtern Menschen mit Rollstühlen den Besuch der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung. Mobile Hörschleifen stehen zur Verfügung.

Nun geht das Stadtmuseum einen Schritt weiter: Menschen mit Behinderungen gestalten das Museum mit. Sie tragen Dinge zusammen, anhand derer die Geschichte von Hallenserinnen und Hallensern mit Behinderungen in ihrer individuellen Vielschichtigkeit ablesbar werden soll. In einem mehrmonatigen Prozess mit unterschiedlichen Sammlungsformaten treffen sich die Teilnehmer*innen im Museum, um miteinander über ihre Erfahrungen ins Gespräch zu kommen. Entstehen wird eine Ausstellung mit etwa 30 Exponaten und deren Geschichten, die am 28.11.2019 eröffnet wird. Ausstellungsbegleitend findet eine Veranstaltungsreihe statt, die zur öffentlichen Debatte über das Miteinander von Menschen ohne und mit Behinderungen in der Stadtgesellschaft anregen will.

In der Ausstellung des Stadtmuseums. Im Vordergrund rechts ein Mann und eine Frau von hinten. Die Frau hat einen Blindenhund an der Leine. Im Hintergrund schaut sich eine Frau im Rollstuhl in Vitrinen ausgestellte Bilder an.
In der Dauerausstellung gibt es über 50 Stationen für blinde Menschen. Die geräumige Anordnung der Vitrinen ermöglicht Menschen im Rollstuhl einen bequeme Ansicht der Exponate.

Die Vielfalt der Stadtgesellschaft stärker als bisher abzubilden ist die Herausforderung, der sich das Stadtmuseum stellte – schließlich versteht es sich als Ort, in dem sich die Menschen aus Halle in ihrer Verschiedenheit wiederfinden können. Menschen mit Behinderungen machen etwa 10% der Bevölkerung in Halle aus - doch bisher fehlten ihre Geschichten im Stadtmuseum. Sie waren deshalb eingeladen, eine der Lücken in der Sammlung zu schließen.

Für die Teilnehmer*innen begann das Projekt im März 2019 mit einer Entdeckungsreise in die Welt des Sammelns, Bewahrens und Ausstellens – als Einstieg in die Arbeitsweise des Stadtmuseums.  
Seit April fanden Stammtische statt, an denen die Teilnehmenden der Gruppe ihre Objekte vorstellten und darüber ins Gespräch kamen. In wöchentlich stattfindenden Sprechstunden wurde zu Einzelgesprächen eingeladen.
Entstanden ist eine Ausstellung mit 35 Geschichten, die vom 29.11.2019 bis 10.05.2020 im Stadtmuseum gezeigt wird.

Menschen im der Ausstellung des Stadtmuseums. Eine Frau mit Blindenhund und ein Mann im Rollstuhl unterhalten sich lachend miteinander. Eine andere Frau im Rollstuhl sitzt daneben. Im Hintergrund weitere Menschen.
Nach der Auftaktveranstaltung in der Ausstellung

Für das Vorhaben hat sich das Team des Stadtmuseums erfahrene Partner ins Boot geholt: Nadine Wettstein ist Beraterin für Inklusion. Sie beriet das Stadtmuseum zum Thema Barrierefreiheit schon bei der Neugestaltung der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung. „Darauf zu warten, dass sich etwas in meinem Sinne verändert, halte ich auf Dauer für sehr unbefriedigend. Daher bringe ich mich gerne aktiv ein und freue mich auf all die Geschichten, die bisher noch nicht erzählt wurden, die aber unbedingt auch zu dieser Stadt gehören.“
Vom Allgemeinen Behindertenverband in Halle e. V. ist Uwe Willamowski ebenfalls schon in der Planungsphase eingestiegen. „ Ich finde es notwendig, dass ca. 10 % der Bevölkerung wahrgenommen werden, denn diese Menschen gehören in unser Stadtbild. Leider gibt es zu viel Mitleid und zu wenig Miteinander, was der Grundgedanke der Inklusion ist."

Das Projekt wird gefördert im Fonds STADTGEFÄHRTEN der Kulturstiftung des Bundes.

In 15 weiteren Kapiteln wirft die Ausstellung einen Blick in die Vergangenheit und spannt einen Bogen von der Jungsteinzeit bis zur DDR-Zeit. Wie haben Menschen mit Beeinträchtigung in unserer Region gelebt? 

Der historische Ausstellungsteil wird gefördert mit Mitteln des Landes Sachsen-Anhalt.

Ansprechpartnerin

Elke Arnold
Projektleiterin

E-Mail: elke.arnold@Halle.de
Telefon: 0345-2213351
Mobil: 0176-12040519

Video: Was ist ein barrierefreier Film?